Baum · Reiter u. Collegen - Wir in den Medien: Fachanwalt Dr. Julius Reiter beschreibt in einem Handelsblatt-Interview, warum Graumarktprodukte für die Altersvorsorge den finanziellen Ruin bedeuten können.
 
Wir in den Medien: Fachanwalt Dr. Julius Reiter beschreibt in einem Handelsblatt-Interview, warum Graumarktprodukte für die Altersvorsorge den finanziellen Ruin bedeuten können. Drucken E-Mail

Nach wie vor ruinieren sich viele Menschen finanziell mit Finanzprodukten vom grauen Kapitalmarkt, die angeblich bestens für die Altersvorsorge geeignet sein sollen. Hierbei stehen vor allem geschlossene Fonds und Immobilien als Kapitalanlage im Mittelpunkt. Warum es für die Verkaufsprofis oft nicht schwer ist, völlig überteuerte Produkte unters Volk zu bringen, beschreibt der Düsseldorfer Fachanwalt Dr. Julius Reiter in einem Interview mit dem Handelsblatt vom 6. Oktober 2011. Anleger würden vor allem in kreditfinanzierte Immobilienkäufe mit einem Anlagehorizont von 20 bis 30 Jahren gelockt. „Nach Ablauf dieser Zeit sollen die Anleger dann einen entsprechenden Wertzuwachs oder weiterlaufende Ausschüttungen und Mieteinnahmen erhalten und damit privat ihre Altersversorgung ergänzen. Diese Rechnung geht oft nicht auf“, warnt Julius Reiter. Die angeblich gewinnbringenden und steuersparenden Vorsorgeanlagen entpuppten sich oft als Schrottimmobilien. Auch Pleiteobjekte wie denkmalgeschützte Immobilien, Schiffsfonds und Beteiligungen an Riesenradfonds gehörten zu den Verkaufsschlagern für Kleinsparer, weiß Anwalt Reiter zu berichten, der auch in dem Buch „Abkassiert“ zusammen mit seinen Kanzleipartnern, dem ehemaligen Bundesinnenmister Gerhart Baum und dem Fachanwalt Olaf Methner, die skandalösen Methoden der Finanzbranche ausführlich beschreibt.

Auf die Frage der Handelsblatt-Redakteurin Gertrud Hussla, warum denn Anleger immer wieder auf unseriöse Angebote hereinfielen, antwortete der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht: „Finanzgeschäfte sind Vertrauensgeschäfte, bei denen der Kunde ungeübt ist und deshalb seinem Berater oder seiner Bank vertraut. Ihm fehlt das Urteilsvermögen. Hinzu kommt, dass der Anleger wegen der langen Laufzeit zunächst nicht argwöhnisch wird. Er merkt oft erst nach Jahren, dass die Kapitalanlage nicht werthaltig ist. Wenn Anleger das Rentenalter erreichen, ist es oft zu spät, um sich von der Kapitalanlage zu trennen.“ Nur durch eine Umkehr der Beweislast, die in Streitfällen den Anbieter in die Pflicht nimmt, vor Gericht die Seriosität seines Angebots zu beweisen, könnte eine echte Haftungsgrundlage geschaffen werden, die Falschberatung für Berater und Vermittler teuer macht. , So fordert der Düsseldorfer Anwalt den Gesetzgeber auf, beim Verbraucherschutz endlich wirksam Flagge zu zeigen. Reiters Fazit im Interview: „Der entscheidende Durchbruch fehlt immer noch. Wir brauchen einen Kulturwandel in der Finanzberatung, die das Kundeninteresse in den Vordergrund stellt.“

siehe:
"Vielen Anlegern fehlt das Urteilsvermögen"
(Handelsblatt, 06.10.2011)