Baum · Reiter u. Collegen - 30 Jahre Schrottimmobilien-Skandal und kein Ende - Anja-Schüller-Stiftung e.V. verleiht Preise für investigativen Journalismus zum Thema „Schrottimmobilien“
 
30 Jahre Schrottimmobilien-Skandal und kein Ende - Anja-Schüller-Stiftung e.V. verleiht Preise für investigativen Journalismus zum Thema „Schrottimmobilien“ Drucken E-Mail

Die 2009 gegründete Anja-Schüller-Stiftung e.V. verleiht am 27.04.2010 in Berlin erstmals Preise für investigativen Journalismus zum Thema „Schrottimmobilien“. Die Preise sind mit jeweils 1.000 Euro dotiert. Von der Stiftungsversammlung ausgewählte Preisträger sind die Journalisten Ulrich Neumann (Südwest Rundfunk SWR), Thomas Öchsner (Süddeutsche Zeitung) und Hans-Peter Schütz (Stern).

Ausschlaggebend für die Wahl waren hervorragend recherchierte Fernseh-Dokumentationen und Presseartikel zum betrügerischen Verkauf und der überteuerten Finanzierung von „Schrottimmobilien' sowie die engagierte und authentische Berichterstattung über den Badenia-Skandal. Den Preisträgern ist es gelungen, die skandalösen und komplizierten Geschäftsmethoden der Schrottimmobilien-Verkäufer und -Financiers einer breiten Öffentlichkeit transparent zu machen. Einfühlsam berichteten sie über die vielen menschlichen Schicksale, die mit dem Kauf maroder Eigentumswohnungen auch heute noch verbunden sind. Dazu gehörten insbesondere die Umstände, die zu dem tragischen Suizid von Anja Schüller am 17.09.2004 führten. Die Krankenschwester hatte sich das Leben genommen, weil sie mit den Pfändungen und Zahlungsaufforderungen für eine weit überteuert erworbene Immobilie psychisch nicht mehr fertig geworden war.

Das Stiftungskapital wurde von Anja Schüllers Familie und hier insbesondere von ihren Eltern Heidi und Klaus Schüller zur Verfügung gestellt, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, Betrug und Existenzvernichtung ahnungsloser Bürger mit minderwertigen und überteuerten Immobilien und damit verbundenen verbraucherschädigenden Immobiliarkrediten zu bekämpfen. Zwar konnten zahlreiche Kläger nach positiven Gerichtsurteilen zumindest zum Teil Schadenersatz geltend machen, doch leiden viele Schrottimmobilien-Opfer immer noch unter den jahrelangen nervenzehrenden Existenzkämpfen. Viele Opfer konnten zu dem nicht entschädigt werden, weil ihre Forderungn inzwischen verjährt sind.

Aufklärung und Opferhilfe – wie sie die Anja-Schüller-Stiftung anbietet – ist umso wichtiger als dubiose Finanzdienstleister derzeit wieder verstärkt neue Opfer für ihre Schrottimmobilienverkäufe werben. Licht ins Dunkel der neuen Geschäftspraktiken, die vor allem junge Leute ansprechen sollen und über das Internet abgewickelt werden, soll eine anschließende Diskussion bei der Preisverleihung in Berlin bringen. Sicherlich wird dabei auch die Forderung eine Rolle spielen, verjährte Forderungen von Badenia-Opfern doch noch zu entschädigen. Teilnehmer der Diskussionsrunde sind Prof. Edda Müller (ehemalige Vorsitzende der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV)), Claus Matecki (DGB Bundesvorstandsmitglied) sowie Gerhart Rudolf Baum (Bundesinnenminister a.D.).

Tagesordnung:

  • Begrüßung durch Claus Matecki, DGB Bundesvorstandsmitglied für Finanzen und Verbraucherschutz
  • Vorstellung der Stiftungsziele durch Klaus Schüller, Vorsitzender der Anja-Schüller-Stiftung e.V.
  • Laudatio und Ehrung der Preisträger durch Prof. Edda Müller, ehemalige Vorsitzende der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV)
  • Diskussion: Aktuelle Situation beim Schrottimmobilienverkauf, Gesetzeslücken, Forderungen an den Gesetzgeber
  • Schlusswort durch Gerhart Rudolf Baum, Bundesinnenminister a.D.

 

Beginn: 10.30 Uhr
Ort: DGB-Haus
Henriette-Herz-Platz 2
10178 Berlin

Anmeldung erbeten unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

Über die Anja-Schüller-Stiftung:

Die Anja-Schüller-Stiftung e.V. ist nach Anja Schüller benannt, die sich nach Pfändungen und Beitreibungsmaßnahmen für eine überteuerte Immobilie am 17.09.2004 das Leben nahm. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, über die Hintergründe beim bundesweiten betrügerischen Verkauf und der Finanzierung minderwertiger bzw. überteuerter Immobilien ('Schrottimmobilien') aufzuklären und zugleich präventiv zu wirken. Die Stiftung unterstützt und fördert insbesondere engagierte, couragierte Medien bzw. Journalisten und/ oder StudentInnen bzw. DoktorandInnen bei ihrer investigativen Arbeit. Dazu dienen auch die Geldpreise der Anja-Schüller-Stiftung. Eine Telefonhotline für akute und potentielle Immobilienopfer als zusätzliches Aufklärungs- und Hilfsinstrument ist noch für 2010 geplant.